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Jugendstrafrecht oder Erwachsenenstrafrecht ?

Jugendstrafrecht oder Erwachsenenstrafrecht ?

Bild des Strafverteidigers Volker König

Fachanwalt für Strafrecht Volker König

Eine in Literatur und Rechtsprechung häufig ganz schwierig zu beantwortende Frage ist die, ob ein Heranwachsender, also eine Person, die zwar das 18. Lebensjahr vollendet, das 21. Lebensjahr aber noch nicht vollendet hat, als Jugendlicher oder als Heranwachsender bestraft werden soll.

Der Heranwachsende wird nach Jugendstrafrecht behandelt, wenn bei ihm ein Reiferückstand besteht oder aber eine Jugendverfehlung vorliegt. Ziel ist es, bei jungen Menschen, deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, das Jugendstrafrecht anzuwenden, weil mit den Mitteln des Jugendstrafrechts ein Rückfall eher zu verhindern ist als bei Anwendung von Erwachsenenstrafrecht.

Dabei führt die sog. Jugendverfehlung zur Anwendung des Jugendstrafrechts, ohne das es der Prüfung eines Reiferückstands bedarf. Unter Jugendverfehlung fallen beispielsweise falsch verstandene Freundschaft, Geltungsbedürfnis, soziale Unreife, Gruppendynamik und fehlende Selbstbeherrschung.

Ein Reiferückstand liegt in der Regel dann vor, wenn der Täter zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand.

Der Bundesgerichtshof hat in einem aktuellen Beschluss des 5. Strafsenats vom 05.08.2012 zum wiederholten Male herausgestellt, dass maßgebend für die Frage ob Jugendrecht oder Erwachsenenrecht anzuwenden ist, die Feststellung ist, ob sich der einzelne Heranwachsende noch in einer für Jugendliche typischen Entwicklungsphase befindet. Für die Gleichstellung eines heranwachsenden Täters mit einem Jugendlichen ist deshalb entscheidend, ob in dem Täter noch in größerem Umfang Entwicklungskräfte wirksam sind. Ob er das Bild eines noch nicht 18-jährigen bietet, ist demgegenüber nicht ausschlaggebend (StraFO 11/2012).

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