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Nebenklage in einem Prozess wegen versuchten Totschlags

Fachanwalt für Strafrecht Volker König

Fachanwalt für Strafrecht Volker König

In einem Strafverfahren vor dem Landgericht Lüneburg wurde im Oktober 2015 gegen einen Mann verhandelt, dem folgendes vorgeworfen wurde:

Der Mann befand sich im Mai 2015 am Elbe-Seitenkanal und hielt sich dort auf einer Bank auf. Das spätere Opfer, das ich in diesem Verfahren als Nebenkläger vertreten habe, fuhr an diesem Abend, wie er das häufig tat, mit dem Fahrrad den Elbe-Seitenkanal entlang. Er sah die Person auf der Bank, die merkwürdig auf der Bank lag. Mein Mandant wollte nachsehen, ob dieser Mann Hilfe benötigte. Er stieg daher vom Fahrrad und begab sich zu dem Mann. Er wollte den Mann gerade fragen, ob etwas nicht in Ordnung sei, als der Mann ein Beil aus einer Plastiktüte herausnahm und mit dem Beil auf meinen Mandanten einschlug. Mein Mandant konnte einen Schlag dadurch abwehren, dass er zum Schutz gegen den zu erwartenden Schlag seinen Arm über den Kopf hielt und das Beil in den Unterarm einschlug. Dabei wurde mein Mandant erheblich verletzt.

Die Staatsanwaltschaft hat den Täter wegen versuchten Totschlags angeklagt. In der Hauptverhandlung stellte sich heraus, dass der Täter psychisch krank war. Er war kurz vor der Tat aus einer psychiartrischen Klinik entlassen worden.

In der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Lüneburg hat der Täter sich auf Notwehr berufen. Er hat ausgesagt, er sei von meinem Mandanten angegriffen worden.

Da der Täter in früheren Vernehmungen immer etwas anderes ausgesagt hatte, hat ihm das Gericht letztlich nicht geglaubt sondern ist der Aussage meines Mandanten gefolgt, der ausgesagt hatte, dass er den Täter zuvor überhaupt nicht kannte und ihm nur helfen wollte.

Ich hatte meinen Mandanten in den Besprechungen vor der Hauptverhandlung noch einmal darauf hingewiesen, dass er seine nachvollziehbaren Angaben, die er bereits vor der Hauptverhandlung gemacht hatte, in der Hauptverhandlung wiederholen soll.

Das Gericht ist der Aussage meines Mandanten schließlich gefolgt. Der Täter ist zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

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